Grabstein im Kurpark

Eine vergessene und "untergegangene" Familiengrabstätte eines früheren Pfarrers
(von Friedhelm Mailänder)

Im östlichen Teil des Kurparks Rödinghausen, etwas abseits vom Wanderweg, inmitten hoher Buchenbäume, stößt man auf einen im Waldboden festverankerten wohlgeformten Sandstein (63 cm x 45 cm, 36 cm hoch ) mit der steinernen Inschrift

Zum Andenken ihrer Eltern gewidmet
von Cölestine Drude, geb. Hackmann.

Die verwitterte und mit Moos überzogene Inschrift lässt den aufmerksamen Kurparkbesucher allenfalls erahnen, dass es sich hier um den Sockel eines Grabsteines und damit um den "Rest" einer früheren Grabstätte handeln muss. Näheres hierüber ist heute nur noch aus den Kirchenbüchern zu erfahren.
Das Gelände des heutigen Kurparks im "Wehmer Holz" war früher Eigentum der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rödinghausen. Das dort im März abgerissene jahrhundertealte Fachwerk-Bauernhaus "Die Wehme" war bis Mitte des vorigen Jahrhunderts (etwa 1950) die "1. Pfarre" und damit der Wohnsitz des 1.Pfarrers der Evangelischen Kirchengemeinde Rödinghausen. Von 1835 bis 1864 wohnte dort der amtierende Pfarrer Friedrich Ferdinand August Hackmann. Als kurz nach seiner Amtseinführung in Rödinghausen im Jahre 1835 seine (1.)Ehefrau Christine Florentine Wilhelmine Hackmann geb. Schrader am 15.07.1835 verstarb, wurde sie am 18.07.1835 im Pfarrgehölz der Wehme mit "Genehmigung der landrätlichen Behörde" beerdigt.
Pfarrer Hackmann, über 29 Jahre Seelsorger in Rödinghausen, wurde im Alter von 80 Jahren am 30.09.1864 emeritiert (Versetzung in den Ruhestand) und nach seinem Tod (22.10.1864) am 27.10.1864 neben seiner Ehefrau im Gehölz der 1.Pfarre begraben. Seine 2.Ehefrau, Witwe Emilie Johanne Magdalene Hackmann geb. Schreiber, wurde am 01.04.1872
ebenfalls
auf der Grabstätte im Pfarrgehölz der Wehme bestattet.
Im Jahre 1890 setzte die Tochter aus erster Ehe des Pfarrers Hackmann einen "Denkstein" (Grabstein) und ließ die Grabstätte mit einem Eisengitter umzäunen. In diesem Zustand ist die Grabstätte im "Wehmer Holz" mir persönlich und sicherlich auch älteren Rödinghausern noch in Erinnerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwahrloste die Grabstätte mehr und mehr. Übrig geblieben ist nur noch der Sockel des Grabsteines (siehe Bild).

Die Grabstätte ist nicht wie andere außerhalb von öffentlichen Friedhöfen angelegte private Erbbegräbnisstätten in der deutschen Grundkarte als "Erbbgr." verzeichnet. Die Existenz der Familiengrabstätte des früheren Pfarrers der Kirchengemeinde Rödinghausen sollte doch der Nachwelt überliefert werden. Schließlich legt der verbliebene Sockelstein der Grabstätte Zeugnis ab von einer Besonderheit der heimischen Kultur und Zeitgeschichte im 19. Jahrhundert.

 

 

 

 

 

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