Die Geschichte der Glocken

Die Glocken der Gemeinde Rödinghausen
(von Friedhelm Mailänder)

Klang der Rödinghausener Glocken [275 KB]
Soweit nachweisbar, gibt, es von alters her Glocken. Die älteste erhaltene Glocke stammt aus China. Sie ist 2500 Jahre alt, hat eine Höhe von 59 cm und einen Durchmesser von 40 cm und wird im Rijksmuseum Amsterdam aufbewahrt.
"Um das Jahr 1000 hat man eine Glocke gleichen Durchmessers in Haithabu
gefunden (Handelsstadt in Schleswig-Holstein, bei Sturmflut untergegangen).

Älter noch sind Schellen und Glöckchen. Man hat sie als Grabbeigaben in Südasien und Ägypten gefunden. Sie dienten als Kultobjekt, Signal- oder Musikinstrument, z.B. am Geschirr von Tieren. In Rom wurden christliche Märtyrer mit einer Glocke um den Hals wie Verbrecher zur Hinrichtung geführt. Als Kaiser Konstantins Edikt von 313 die freie Ausübung der christlichen Religion gewährleistete, konnte nun der Beginn des Gottesdienstes durch ein akustisches Zeichen, wie das Läuten eines Glöckchens, angezeigt werden.
In Europa waren es irische Mönche, die zuerst über die Kunst des Bronzegusses verfügten. Sie stellten zunächst ein Wachsmodell der Glocke in der gewünschten Größe her und umkleideten es von allen Seiten mit Lehm. Nach dem Trocknen schmolz man das Wachs durch Erhitzen heraus und füllte den Hohlraum mit Bronze. In der Gotik erhielt die Glocke ihre jetzige Form. (Wandergewerbe, Glockenguss mit Kern und Mantel).
Die Kirchen konkurrierten untereinander mit dem schönsten Glockengeläut. Der Doge von Venedig schenkte z.B. der Hagia Sophia in Konstantinopel im Jahre 946 zwölf Glocken. Die Münsterkirche in Herford soll dereinst 13 Glocken gehabt haben. Auch war man bestrebt, möglichst große und schwere Glocken gießen zu lassen. Die größte Glocke in der Notre-Dame-Kathedrale in Paris, der "Bourdon", wiegt 260 Zentner, die "Savoyarde" in der Sacré Coeur in Paris gar 380 Ztr. Die größte Glocke der Welt steht in Moskau im Kreml. Sie wurde im Jahre 1735 gegossen und wiegt 4040 Ztr. Man hat sie, wie das damals üblich war, an Ort und Stelle gegossen und einen Turm um sie herum gebaut, in den man sie hinaufziehen wollte. Bei dem großen Brand von Moskau 1737 fing auch der Turm Feuer. So blieb sie 100 Jahre unter dem Schutt in der 10 m tiefen Glockengrube liegen. Man hat sie dann regelrecht ausschachten und unter dramatischen Umständen heben müssen. Sie steht heute auf einem Sockel. Geläutet worden ist sie nie.

Die Kirchenlocken.
Die Bartholomäuskirche zu Rödinghausen hat seit etwa 300 Jahren drei
Glocken gehabt. Die mittlere ist 1616 gegossen worden. Sie ist die älteste urkundlich belegte Glocke mit der Inschrift:
1616 war nach Christi Geburt verflossen als mich M. Jost Rockhorn gegossenn zu Rödinghausen. In dem Jahre Herr Hinrich Binche Pastor war.
Eberhard Korf Erb-Korf zur Wackhorst. Johann Vinck auf Kilver. Hilthus zum Bockel. Junker Hinrik Vos. Jost Schrag. Rent M. Claus Sprengepil, Vogt un Gerd Meier to Byren.
Die große Glocke von 1674 ist dreimal umgegossen worden, zuletzt 1350.
Inschrift: Herr H. von Korff zu Waghorst, Renkhausen, Lübke, Hastenbeck, Königl. Preuß. Leutnant der Kavallerie, Herr C.T.W. v. Vincke zu Kilver Königl. Preuß. Beamter zu Rödinghausen. Herr E. Joel v. Vincke zu Böckel, Ostenwalde u. Wellinghausen, Oberst einer Brigade. Herr C.I. Berkenkamp. Herr F.F.Stohlmann, Drediger. Herr F.G. Weidenbrück Provisor. Herr G. Göker Küster. - Kommt, wenn ich euch rufe, ihr Rödinghauser zu Freud und Leid. - W.A.Rinker zu Osnabrück hat mich gegossen 1816.
Die kleine Glocke von 1693 wurde 1816 und 1850 umgegossen.
Inschrift: Die Lebendigen rufe ich. Die Traurigen erfreue ich. Die Fröhlichen erschrecke ich. Den Kindern Beten lerne ich. Die Stunden allen gebe ich. Zuletzt auch alle beweine ich.
Johan Hinrich Korf, Satrapes ( ), Rudolf Hilmar Vinck, Hyronomus Johannes Hambach, Antonius Brand pastores, Joh. Sprengepiel, Herbert Casp. Heermeier provisores, gegoßen von Johann Fricken 1693
Inschrift nach dem Umguß: Herr C.L.Berkenkamp. Herr F.F.Stohlmann, Pastores. F.G.Weidenbrück, Provisor. W.A. Rinker von Osnabrück goß mich. Röd. 1816.

Alle drei Glocken wurden 1850 umgegossen, nachdem 1846 eine Glocke zerbrochen war. Die Inschriften lauteten:
Glocke I: Gott allein die Ehrel
Im Jahre 1850 gegossen von H.L.Lohmeier in Gütersloh
für die Gemeinde Rödinghausen. Luther.
Kommt, wenn ich euch rufe, ihr Rödinghäuser zu Freud und
Leid.
Glocke II. Im Jahre 1850 gegossen von H.L.Lohmeier in Gütersloh
für die Gemeinde Rödinghausen. Melanchthon.
Gott allein die Ehre!
Glocke III: Im Jahre 1850 gegossen von H.L.Lohmeier in Gütersloh für die Gemeinde Rödinghausen.
Alle drei Glocken waren über der Inschrift mit einem Kranz aus. Weinranken, unter der Inschrift mit einem aus Eichenlaub verziert.
Die Rödinghauser Kirchenchronik berichtet unter dem 16.7.1917: Die beiden größten Glocken im Turm zerschlagen und abgeliefert. Abschiedsfeier tags zuvor. Psalm 29. Die Sammlung für ein neues Geläut im Jahre 1921 brachte 7000 Mark. Dazu kamen 11.300 M für die abgelieferten Glocken.
Der Bochumer Verein goss 1922 drei neue Guss-Stahlglocken, die am 11. Oktober desselben Jahres auf dem Bahnhof Bieren-Rödinghausen ankamen. Sie wurden in Siendorf mit Eichenlaub bekränzt und unter Posaunenklängen und dem Gesang der Schüler von den Einwohnern nach Rödinghausen geleitet. Dort hatte man das westliche Schalloch am Kirchturm aufgemeißelt, damit die große Glocke hindurchpaßte. Schulkinder und Pferde zogen den Flaschenzug.
Die Inschriften dieser Glocken lauten:
Glocke I: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.
Glocke II: Christus ist unser Leben.
Glocke III: Wachet und betet.

Diese Glocken sind in f - as - h gestimmt. Durch die Wahl von Guss-Stahlglocken wurden sie im 2. Weltkrieg vor der Ablieferung an die Rüstungsindustrie bewahrt. So erfreuen sie uns noch heute mit ihrem melodischen Gesang.
Wie aus urkundlichen Aufzeichnungen hervorgeht, wog die alte Bronzeglocke I von 1674 13 3/4 Ztr. Die heutige Guss-Stahlglocke wiegt 22 Ztr. Es verwundert gar nicht, dass der alte eichene Glockenstuhl diesem Gewicht nicht gewachsen war und durch sein Wackeln den Turm in Gefahr brachte. So wurde vor einigen Jahren ein stählerner Glockenstuhl eingebaut, der dem Gewicht der schwingenden Kolosse standhält.
Ehe im Jahre 1930 ein elektrisches Läutewerk eingebaut wurde, mussten alle drei Glocken von Hand geläutet werden. Der letzte Küster, der diese Arbeit verrichten musste, war Wilhelm Reinker. Er berichtete davon, wie schwer es gewesen sei, die Glocken in Gang zu bringen. Darum hätte er sich fürs Anläuten gern eine Hilfe mitgenommen, die die größte Glocke in Gang gesetzt hätte. Waren alle Glocken im Schwung,, dann bediente er die drei Glockenseile allein, d.h. mit Händen und einem Fuß.
Bis zur Elektrifizierung erfolgte vor den eher- kirchlichen Festtagen (Weihnachten, Ostern und Pfingsten) ein besonderes Festgeläut, das Beiern oder auf plattdeutsch "Beigeln". Zu dritt kletterte man in den Glockenturm. Jeder nahm einen Glockenklöppel in den Strick, und schlug damit den Glockenrand an. Das machte man kine kurze Zeitlang (einen "Fliusk"), unterbrach durch eine kurze Pause, um dann von neuem zu läuten. So ging das abwechselnd eine Stunde lang. Dieses "Beigeln" klang ganz besonders festlich und ist leider mit der Läutemaschine nicht nachzuvollziehen.
Der Glockenspruch des Rödinghauser Kirchengeläutes lauteter "Jung un Äole, kuommet bäole!" (s. Renk.Krippenspiel, S. 10/11: Köster)

Schlichthaber schreibt im "Rödinghausischen Predigergedächtnis" von 1743: Die Kirche zu Rödinghausen hat zwei Filialen, die eine zu Bieren die andere zu Westkilver. Allmonatlich wird der Gottesdienst mit Predigt und Sakramentreichen in beiden Kapellen wechselweise von beiden zeitigen Renkhausisehen Predigern verrichtet.
Die Klus in Westkilver wurde 1471 massiv gebaut und hat über ihrem
Westgiebel einen Dachreiter mit Glocke, die 1866 umgegossen wurde,
wie die Rödinghauser Kirchenchronik berichtet. An die Klus wurde 1904 die Kirche angebaut, Ende der 20er Jahre dieses Jahrhunderts der Turm. 1930 wurden vom Bochumer Verein drei Stahlglocken geliefert; die in dis - fis - gis gestimmt sind. Über den Verbleib der alten Klusglocke ist nichts zu erfahren.



Die zweite von Schlichthaber erwähnte Klus stand in Bieren am Meier hof. Es war eine Fachwerkklus mit Dachreiter, der eine Uhr und Glocke beherbergte. Die Klus wurde 1908 abgerissen und an ihre Stelle die jetzige Kirche gebaut. Sie war 25 Fuß lang, 19 Fuß breit und 11 Fuß hoch (1 Fuß = 31,4 cm). Es lagen Höxterplatten drin. Wände und Balkendecke warn geweißt. Die Bänke standen eng voreinander, so daß man mit schräg gehaltenen Knien sitzen mußte. Das Glockenseil hing durch die Decke herab in den Gang. Hinter dem Altar auf der Ostseite war ein Ölgemälde mit dem Heil. Abendmahl. Darüber war die Orgelprieche, die höchstens 5 Mann Platz bot und eine Orgel, die man aus der jüdischen Gemeinde in Herford erworben hatte. Rechts stand
die Kanzel aus dem Jahre 1662. In der Altarplatte aus hellem Sand, die heute noch demselben Zweck dient, sind drei Weihekreuze.
Das deutet darauf hin, dass die Klus aus katholischer Zeit stammt.
Darauf deuten auch die beiden Holzplastiken, die heilige Agnes und die heilige Anna selbdritt, hin. Außerdem findet sich im Ravensbergischen Urbar von 1550 eine Eintragung, daß der Hof Claus Nr. 14 in Schwenningdorf (heute Lamkemeier) der Kapelle zu Bieren jährlich 1 Schilling zu geben hat.
In der Kapelle fand einmal im Monat, dem ersten Donnerstag, die Mondpriege oder Kliuspriege statt, wobei das Abendmahl gereicht wurde. Außerdem feierte man dort am Heiligabend die Christvesper. Dort wurde dann die Kerzen an einem Tannenbaum angezündet, was in der damaligen Zeit in den Häusern noch selten der Fall war. Auf einen Holzeler Bauernsohn, der diese traute Christvesper in der Bierener Klus zum erstenmal miterlebte, muß das einen unvergeßlichen Eindruck gemacht hauen, denn, als er nahh Haus kam, brach er in die Worte aus: "U Moihm wat was de Klius vull! Sei seiden uppen Molkenschappe. Un de in de Tunnen kleiget was" hadde dat gröttste Wort!"
In den Bierener Kapellenakten steht geschrieben, daß der Lehrer gleichzeitig Küster, Vorsänger er und Or anist war. Dreimal am Tage, morgens um 8, mittags um 11 und abends nach`-Sonnenuntergang läutete er die Betglocke. Im Volksmund nannte man es das Kleppen. Er hatte dabei das Vaterunser in drei Teilen zu sprechen und nach jedem Teil zwölf einfache Glockenschlgge (im Angedenken. an die 12 Apostel) zu geben.
Wo ein frommer Ackersmann dies hörte, hielt er wohl seine Pferde an,
zog seine Mütze und betete.
War ein Brand ausgebrochen, so stieg der Küster auf den Klusboden und schlug mit dem Klöppel in rascher Folge, die von Pausen unterbrochen waren, an den Glockenrand.
Beim Tode eines Gemeindegliedes stimmte er das einstündige Trauerge- an. War es ein Kind, so gab er vorher dreimal Glockenschläge, beim Erwachsenen dreimal 12 Schläge. Dann folgte das Trauergeläut in dem hierzulande typischen Dreiertakt, wobei der 2. Schlag betont wird. Das erreicht der Glöckner, indem er beim zweiten Schlag das Seil anhält. Er zieht also zweimal, und der dritte Schlag kommt dann von selbst hinzu.
Dazu kam dann das Wegläuten (Wegluien). Bis 1966 wurden die Leichen
von Haus aus beerdigt. Wie wir wissen, hielt bis in die 30er Jahre
der Lehrer die Andacht im Hause, wobei die Schulkinder ,sangen. Später,
als das Kantorenamt vom Lehreramt getrennt wurde (1931) übernahm
der Pastor die Hausandacht. Wenn er nun fast am Ende war, mußte der
Nachbar dem Glöckner Bescheid geben, daß er seines Amtes zu walten
habe. Nach Abbruch der Klus am 21./22. Febr. 1905 im Griesbirnbaum an der Schule.
Die neuerrichtete Bierener Kirche bekam im Jahre 1909 drei Bronzeglocken im g-moll-Dreiklang (g - b- d), die von Franz Schlling/Apolda gegossen worden waren. Es war d se wie die alten Leute sagen, ein wundervolles Geläut, wie ja dieses wie die alten einen viel schöneren, melodischeren Klang haben als die schweren Stahlglocken. Während bei den Stahlglocken das größte Klangvolumen im Augenblick des Anschlags ist, ist bei den Bronzeglocken der Anschlag leise, aber dann wächst der Ton. Es ist also ei:- mehr ein melodisches Summen, bei denen man kaum die Anschläge hört. Es ist dies das gleiche Prinzip wie bei einer guten alten Geige, die am Ohr leise ist, aber in der Weite gut trägt.
Dieses Geläut währte leider nur ein paar Jahre. Dann mußten die beiden größten Glocken im 1. Weltkrieg abgeliefert werden. Erst 1930 hatte man durch Sammlungen den Betrag beisammen, um sich bei Rincker in Sinn/ Dillkreis zweineue Bronzeglocken gießen zu lassen. Sie wurden am 17.9.1930 in feierlichem Zuge unter Beteiligung der ganzen Gemeinde, Posaunen, Schulen, vom Bierener Bahnhof abgeholt.
Auch diesmal dauerte die Freude nur ein gutes Jahrzehnt. Mit dem Ausbruch des z. Weltkrieges fiel das gesamte Bierener Bronzegeläut dem totalen Krieg zum Opfer. Eine kleine Ersatzlocke wurde von der Gemeinde Haltedorn geliefert. 19-4-9-A!&-goß dann die Fa. Weulle aus Brokkenem/Harz drei neue Stahlglocken , die wir heute noch hören. Die kleine Glocke, die bis dahin bei allen Anlässen geläutet wurde, kam wieder
nach Hagedorn zurück. Am 22.4.1854 wurde in Schwenningdorf an der oberen Wehmerhorst der Grundstein zur Altlutheraner Kirche gelegt. 1859 goß Lohmeier in Gütersloh eine kleine Bronzeglocke, die in einem Dachreiter auf der Kirche geläutet wurde. Als 1930 der Turm angebaut wurde, bekam man zwei Glocken, eine von Blasheim, die andere vom Bochumer Verein. Sie sind as - h gestimmt.



Die Bauerschaftsglocken
Um ihre Entstehung zu begreifen, müssen wir zunächst fragen, wie vor
1000 Jahren unser Land hier aussah. Es war weithin alles mit Eichen-
und Buchenwald bedeckt. Nur an den höhergelegenen Stellen war Feld,
und zwar an 6 Stellen unserer Gemeinde. An jedem Feld (oder Esch) lag
ein Häuserdrubbel, Bauerschaft genannt. Auf dem Urmeßtischblatt vom
Jahre 1837 sind 6 Bauerschaften eingezeichnet:
Rödinghausen
Kilver
Siendorf
Stukenhöf en
Bieren
Dono.
Rödinghausen, Kilver und Bieren hatten ihre Kirche bzw. Kapelle und damit auch eine Glocke. Nun konnte man aber diese Glocke bei ungünstigem Wind nicht hören - und das wichtig in jener Zeit, weil man sich bei der Arbeit danach richtete. So wird der Wunsch aufgekommen sein, in jeder Bauerschaft eine eigene Glocke zu haben.

Die älteste Bauerschaftsglocke hängt in Ostkilver. Sie trägt die Inschrift "Soli Deo Gloria" und die Jahreszahl 1659. Th.Horstmann schreibt 1934 in der Festschrift "Über 1000 Jahre Kilver" u.a.:"Es muß ein freudiges Ereignis gewesen sein, als 1659 die wahrscheinlich erste Glocke in Ostkilver ihren Einzug hielt. Ein mit Eichenlaub bekränzter Leiterwaben holte sie von Minden aus der Werkstatt des alten bekannten Glockengießers Johann Engelke. Dieser hatte sie mit viel Mühe und Fleiß und unter Anwendung seiner tiefen Kunstgeheimnisse aus Bronze gegossen Unter dem Jubel der Bevölkerung wurde sie eingeholt; man brachte sie jedoch nicht in eine Kapelle, nicht unter das schützende Dach einer Kirche, - draußen im Freien, in dem Geäst eines starken Lindenbaumes, auf einem Brink vor dem alten Meyerhofe wurde sie aufgehängt und hat dort bis vor ungefähr 30 Jahren ihren Platz gehabt. Als dann der grünende Glockenstuhl infolge seines hohen Alters immer mehr auseinanderbrach und schließlich die schwere Last nicht mehr tragen konnte, brachte man sie auf Rutenkrögers Hof und später dann in den Turm des vor einigen Jahren errichteten Spritzenhauses.''
Die Glocke wurde von Hahnen, jetzt Stallmanns geläutet. Karl Stallmann 82 Jahre alt, erzählt:
Vor den 1. Weltkruige worde 3mol an'n Dage kleppt. De Luie richten sik nor de Klocken. Nenn se wat Besonneres vorhedden, gäben se Bescheid: "Suid vanobend 'n bieden pünktlich. Wui wollen näo Fuitze bäohnen insedden". Kleppet worde in'n Sommer muarns ümme 7, ümme 11 und obends ümme 7. De Knechte up'n Feile wüßten denn Bescheid. Sei sian: "Lot et us teogieben, de Hahne häff kleppet."
De Luinen, wor de Klocken inneheng, was uräolt un leste innen ganz huahlt. Sei worde ümmer stufft. In den Stamme satt 'n lulennest.
Eimmol göng iuse Kadden doran un fell in den huahlen Stamm runner. Unnen satt ower 'n Lock, w or wui jümmer iuse Bäomeirden for de Bleomenpötte riuthalen. Dor kam de Kadden wuier riutläopen.
1907 oder 08 was de Luinen säo morsch, dat de Klocken up polizeiliche Anordnung runnernuammen wirden moßte. Van den Stamm stond bläoß näo
säo ne S hillen. De Steinkäuze nesseln ower wuider in den huahlen
`,Stamme. Sei maken 's Nachts jümmer säo 'nen Spektakel, dat sik de Nowers beschweren sei können nich schlopen. Däo hätt se de Luinen afsaget.
De Klocken hätt se 200 m wuider südlich bui Riudenkroigers in eine Eiken hangen,un dor hätt se Riudenkroigers un nohiars Klockenbrinks I bis 192$, lutt."
Dass diese älteste Glocke in unserer Gemeinde (1659) die Stürme der
beiden Weltkriege überstanden hat, ist dem alten Schmied Restemeier
zu verdanken. Als im 1. Weltkrieg die Anordnung zur Ablieferung der
Bronzeglocken kam, sollte er sagen, ob es sich um eine Bronzeglocke
handele. Er entschied: Nein, es ist keihe! Und so war die schöne
alte Glocke gerettet.
Sie ist ab 1926 oben in dem neuerrichteten Spritzenhaus geläutet
worden, vor einigen Jahren an der Friedhofskapelle in Ostkilver
ihren endgültigen Platz erhalten.
Die Stukenhafener Glocke soll die älteste in Schwenningdorf gewesen
sein.(1837?) Als Bronzeglocke war sie von besonderem Wohlklang. Leider musste
sie im 1. Weltkrieg abgeliefert werden. So verstummte das altgewohnte
Geläut, bis im Jahre 1921 durch Spendengelder der Glockengemeinschaft
eine neue Stahlglocke angeschafft werden konnte. Ihr erste Geläut galt
den gefallenen Kriegern der Bauerschaft Stukenhöfen.
Heinrich Klockenbrink, 82 Jahre alt, erzählt: "Vor den 1 . Weltkruige was ik up Huisms Huawe Knecht. Dor stond de Klocken, un ik worde ton
Luien anleihert. De äole Huism packe den Klockenstrang, un ik moßte
unnerteo anpacken. Säo häwwe ik et leihert.

Van Tuid teo Tuid moßte dat Klockenlager schmiart weirden. Dat deien wui nick met Wagenschmiar, sonnern met Fleomen. De loiden Huisms van'n: Schlachten hiar in'n Räoke hangen. Et wörden 2 Striemels dorvan afschnuien. Denn kleige einer an de Klocken un lia de Striemen unner `de Lagers. Dorbui moßte einer de Klocken fastehäolen. Wenn hei den ;Strang läosloid, kriegen de Lager dat Fett teo packen. Un niu göng dat Luien viel lichter. De Gräotknecht, de in den Wuimen steig un ade Striemels van de Fleomen af schneit, stack sik erste süms 'n Stücke dorvan in 'n Hals un sia: "Dat schmicket wie Nottkarn."
Die Stukenhöfener Glockeist über 100 Jahre lang von Hüsemanns geläutet worden. Sie wird auch weiterhin auf Hüsemanns Hof ihren Platz behalten. Der neue eichene Glockenbaum, der Ende Februar d.J.(1983) auf dein Gute Hollwinkel bei Alswede gefällt worden ist, ist inzwischen aufgerichtet worden. Die Glocke, die bei Korfhage in Buer überholt wird, wird bald wieder in altgewohnter Weise zu hören sein.
Die Schwenningdorfer Glocke hat bis 1917 auf Nolten Hof gestanden. Sie ist ebenfalls im 1. Weltkrieg eingeschmolzen worden. Nach dem Kriege ließ man sich eine Stahlglocke gießen, die bei Horst auf der Matilge ihren Standort erhielt und von Heinrich Kienker bis 1966 geläutet wurde. Sie sollte dann an der Friedhofskapelle in Schwenningdorf weiterhin ihren Dienst tun, wurde aber wegen eines angeblichen Sprunges durch eine neue Glocke ersetzt.
Die Drifter Glocke war die jüngste von allen. Sie ist 1877 als Stahlglocke gegossen worden. Sie wurde zuerst von Feldherr geläutet. Aber auch alle anderen Bewohner der Drift konnten sie ziehen. Von 1945 an ging dann das Läuten fest in die Hand von Karl Kölling über. .Sie hat bis 1965 geläutet. Der alte Wilhelm Stapel war der Letzte, den sie weggeläutet hat (30.Okt.65. Die Glocke samt Glockenbaum ist dann niedergelegt worden und kam 1977 ins Westfälische Freilichtmuseum in Detmold.
Karl Kölling erzählte, einmal hätte ein Missionar zugeguckt, als er läutete. "Seltsam", hätte er hachher gemeint, "daß Sie bei zweimaligem Ziehen drei Schlag herausbekommen. Bei uns in Afrika bringt man das nicht fertig." Das Erbe der Drifter wie der Matilger Glocke lebt in der Glocke an der Friedhofskapelle fort.

Die Donoer Glocke wird ihren Ursprung ganz ohne Zweifel in der alten Donoer Klus haben, die an Klußmanns Hof gestanden hat. Sie wird in den Kirchenbüchern von Rödinghausen von Rödinghausen zwar nicht erwähnt. Aber im Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1550 wird ein Gries bei der Klus und in dem neuen Kataster von der brandenburgischen Regierung 1686 ein Herm bei der Clues erwähnt. Das bedeutet, das bei Klußmanns Hof in Dono eine Klus gelegen hat.

Die alte Donoer Glocke hat auf einem Brink an dem Kreuzwege bei Bauer Beckmann und Klußmann gestanden. Als der Glockenbaum morsch war, hat man einen neuen Glockenbaum auf Klußmanns Hof gesetzt und sich eine Stahlglocke gießen lassen. Das war 1877. Die alte, kleine Bronzeglocke ist an den Bauern Große-Schütte in Oberbauerschaft verkauft worden und diente dort als Hofglocke Die Linde, in der sie früher hing, ist bei dem großen Sturm am 14. November 1940 umgeweht. Die Glocke hat dann bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg auf dem Hof gestanden und ist dann von Brockfeld u. Meier in Bünde umgegossen worden. Dabei hat sie eine neue Inschrift und Jahreszahl bekommen. (Leider weiß man die ursprüngliche Jahreszahl nicht mehr). Die neue Glocke hängt in der Eiche in der Hofecke an der Straße von Heidsiek her.
Die letzte Beerdigung, zu der diese kleine Glocke in Dono geläutet hat, war die Großmutter vom alten Heinrich Kampeter auf der Höge. An dem Beerdigungstage kamen die Leute von Oberbauerschaft und wollten die Glocke abholen. "Ja,"hat man ihnen gesagt, "denn müer jui ower toiben. Erste müer wui Kampeiters Moihme wegluien." Als das geschehen war, hat man die Glocke abgenommen.
Die neue Glocke von 1877, eine Stahlglocke, an der die beiden Inschriften stehen: "Martin Luther" und "Dono-Holzel 1877", hat 50 Jahre auf Klußmanns Hof gestanden und ist von Klußmanns geläutet worden.
Als im Jahre 1927 der Glockenbaum, den Buntemöller seinerzeit gestiftet hatte, morsch war, wurde die Glocke stillgelegt. Klußmanns waren amtsmüde. In einer Hausväterversammlung erklärte sich jedoch der Bauer Meier Nr. 19 bereit, die Glocke auf seinen Hof zu nehmen und auch zu läuten. Das dreimalige Kleppen am Tage, wie ganz früher - wollte er nicht übernehmen, dafür aber jeden Samstagabend den Sonntag einläuten. Das hat er bisher in aller Treue getan.
Nachdem vom EMR in Kirchlengern ein alter Stahlmasten geschenkt und in der Schiermeierschen Schmiede vor den Bäumen hergerichtet worden war, konnte die Glocke am Samstag, den 3. März 1928 abends um 7 Uhr eingeläutet werden. Tags darauf fand bei herrlichstem Frühlingswetter die Einweihung statt. Bald hatten die Donoer Schulkinder heraus was die Glocke sang, nämlich: "Ping-pang-Paulus - wer esse däode?" Ja, es war wirklich so. Ehe die Leute wußten, wer gestorben war, wußte es bereits die Glocke.
Seit einiger Zeit ist nun der altgewohnte Klang verstummt. Die Glocke muß gründlich überholt werden. Mehrere Versammlungen der Glockeninteressenten haben aber gezeigt, daß man ernstlich bemüht ist, die alte Tradition wachzuhalten. Was der Dichter Wolfgang v. Goethe sagt, stimmt wirklich: "Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." Man muß wirklich etwas dafür tun, wenn einem das Erbe der Väter nicht aus den Händen gleiten soll.
Wenn wir aber bedenken, wie kurz nur unsere Lebenszeit ist in der
langen Kette derer, die vor uns da waren und die nach uns kommen
dann dürfen wir solche Dinge nicht einfach aufgeben. Denn unsere
Kinder und Kindeskinder wollen sich auch noch erfreuen auf Gottes
schöner Erde und dem, was darauf ist.
Aus Schillers "Glocke": Nur ewigen und ersnsten Dingen ...,
Friede sei ihr erst Geläute.

 

 

 

 

 

 

Klang der Glocken

Klang der Glocken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Glocke

"Christus ist unser Leben"

Bild vergrößern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die mittlere Glocke

"Wachet und Betet"

 

Bild vergrößern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 3. Glocke (Totenglocke)

"O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort"

 

Bild vergrößern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 3 Glocken

Bild vergrößern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Uhrwerk

Bild vergrößern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blicke vom Turm

(Bild vergrößern)

 

 

 

 

 

 

 

EKvW_Logo
logo_kkg